Erbe

Nach § 192Erbe2 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist derjenige Erbe, dem mit Eintritt des Erbfalls das Vermögen des Erblassers als Ganzes entweder allein oder zusammen mit anderen zufällt. Der Erblasser kann durch Verfügungen Einfluss darauf nehmen, wer seinen Nachlass erbt. Sind keine Verfügungen zur Nachlassregelung vorhanden oder entfalten diese aufgrund von Fehlern keine rechtliche Wirkung, gilt die gesetzliche Erbfolge. Die gesetzliche Erbfolge bedingt anhand des Verwandtschaftsgrades eine Einstufung in verschiedene Ordnungen, die auf der verwandtschaftlichen Nähe zum Erblasser basiert.

Die gesetzliche Erbfolge: Die Erbeneinteilung nach Ordnungen

Erben erster Ordnung sind die Kinder des Erblassers. Sofern diese nicht mehr leben, treten deren Kinder an ihre Stelle und sofern diese nicht mehr leben deren Kinder, also die Enkel des Erblassers. Seit dem Inkrafttreten des Erbrechtsgleichstellungsgesetzes am 1. April 1998 werden nichteheliche Kinder und adoptierte Kinder als gesetzliche Erben erster Ordnung angesehen. Dies gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sie nicht vor dem 30. Juni 1949 geboren wurden. Erben zweiter Ordnung sind die Eltern des Erblassers und wiederum deren Abkömmlinge. Aus der Sicht des Erblassers sind das seine Eltern sowie seine Geschwister ebenso wie Nichten und Neffen. Zu den Erben der dritten Ordnung gehören die Großeltern des Erblassers sowie deren Abkömmlinge. Aus der Sicht des Erblassers sind das seine Großeltern und nach deren Ableben seine Onkel und Tanten sowie Cousinen und Cousins. Die Erben der vierten Ordnung sind die Urgroßeltern sowie deren Abkömmlinge, und die Erben der fünften Ordnung noch weiter entfernte Verwandte.

Das Erlangen der Erbenstellung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Erbe zu werden, entweder durch

– eine Verfügung des Erblassers, die seinen letzten Willen dokumentiert, also durch ein Testament oder einen Erbvertrag oder durch
– die gesetzliche Erbfolge.

Die Erbenstellung festzustellen ist Aufgabe des Nachlassgerichts und erfolgt im Rahmen der Testamentseröffnung. Das Ergebnis dieser Feststellung ist der Erbschein, der den Erben als neuen Eigentümer des Nachlasses ausweist. In Deutschland versterben jährlich Zehntausende Menschen, die weder ein Testament noch einen bekannten Erben haben. Kann ein amtlich bestellter Nachlasspfleger keinen Erben ausfindig machen, werden spezialisierte Firmen mit der Erbensuche beauftragt, wofür sie bis zu einem Drittel des Erbes als Honorar erhalten.

Die rechtliche Position des Erben

Der Erbe erhält nicht nur das Vermögen des Erblassers, sondern wird auch dessen Rechtsnachfolger. Es gibt nur wenige Rechtspositionen, die nicht vererbbar sind. Dazu gehört zum Beispiel der Arbeitsvertrag, der eine höchstpersönliche Verpflichtung ist zwischen dem Arbeitgeber und dem Verstorbenen als Arbeitnehmer. Als Rechtsnachfolger kann der Erbe sämtliche Forderungen, die der Erblasser gegenüber Dritten hat, rechtlich geltend machen. Außerdem hat er einen Anspruch auf Herausgabe des Nachlasses gegenüber Personen, die Vermögensgegenstände des Erblassers besitzen.

Die Ausschlagung des Erbes

Als Rechtsnachfolger hat der Erbe auch die Möglichkeit, das Erbe nach § 1944 BGB auszuschlagen. Die gesetzliche Frist für die Erbausschlagung beträgt sechs Wochen nach Kenntnis des Erbfalls. Hält sich der Erbe im Zeitpunkt des Erbfalls im Ausland auf oder hatte der Erblasser seinen Wohnsitz im Ausland, verlängert sich die Frist für die Erbausschlagung auf sechs Monate. Versäumt der Erbe die Sechswochenfrist beziehungsweise die Frist von sechs Monaten, gilt das Erbe als angenommen.

Die Erbausschlagung bedarf der öffentlichen Beglaubigung und kann entweder unmittelbar gegenüber dem Nachlassgericht oder gegenüber einem Notar erteilt werden, was in beiden Fällen mit Kosten verbunden ist. Grund für eine Erbausschlagung kann zum Beispiel die nach § 1967 BGB geltende Haftung des Erben für Nachlassverbindlichkeiten sein, die dieser jedoch durch verschiedene Verfahren und unter bestimmten Voraussetzungen beschränken kann.

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