Erbfälle im Ausland

Erben, die ein Auslandserbe antreten, stehen oftmals vor einem Problem: Sie wissen nicht, in welchem Staat sie Steuern zahlen müssen. Gleiches gilt für Erben, die im Ausland leben und sich zurAusland Übernahme der Rechte und Pflichten eines deutschen Erblassers entschieden haben. Grundsätzlich hängt die Steuerpflicht von mehreren Faktoren ab. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang nicht nur, ob es sich bei dem Auslandserbe um Auslandsimmobilien handelt und ob der Erbe Inländer ist – wichtig ist auch die Frage, ob es ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen dem jeweiligen Staat und Deutschland gibt.

Der Begriff des Steuer-Inländers

§ 2 des Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG) stellt für den Erwerb aus einer Erbschaft eine unbeschränkte Steuerpflicht fest, wenn der Erbe oder der Verstorbene zum Eintritt des Erbfalls ein sogenannter Steuer-Inländer war. Hierunter fallen alle Personen, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder Wohnsitz in Deutschland haben – auf eine dauerhafte Nutzung kommt es dabei nicht an. Was die Annahme eines Wohnsitzes angeht, ist die Rechtsprechung ausgesprochen großzügig: Ihrer Ansicht nach reicht bei festem Wohnsitz im Ausland schon die Anmietung von Räumlichkeiten in Deutschland aus, um einen inländischen (Zweit-) Wohnsitz zu begründen und eine Steuerpflicht herbeizuführen. Als Steuer-Inländer gelten zudem Deutsche, die ihren inländischen Wohnsitz dauerhaft aufgegeben haben, im Ausland jedoch noch nicht länger als fünf Jahre ansässig sind.

Unbeschränkte und beschränkte Steuerpflicht

Sofern diese Voraussetzungen gegeben sind, unterliegt das im Ausland oder in Deutschland ruhende Vermögen der unbeschränkten deutschen Erbschaftssteuer. Eine beschränkte Erbschaftssteuerpflicht besteht hingegen, wenn weder der Erbe noch der Erblasser Steuer-Inländer ist. Sie bezieht sich ausschließlich auf das Vermögen, das im deutschen Nachlass vorhanden ist.

Die Rolle anderer Staaten

Andere Länder verfügen über ihr eigenes Erbrecht. Die damit zusammenhängenden steuerlichen Aspekte können folglich sehr individuell sein. So entsteht die Steuerpflicht in einigen Staaten zum Beispiel durch die Staatsangehörigkeit des Erblassers. In anderen Ländern hingegen ist der Wohnsitz des Erwerbers ausschlaggebend. Bei Immobilien wiederum kommt es maßgeblich auf den Standort an. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass ein einziger Erbfall gleich drei Besteuerungsvorgänge in den beteiligten Staaten auslöst. In diesen Fällen kommt es zu einer Kumulierung der Steuerlast. Unter bestimmten Umständen kann jedoch die im Ausland gezahlte Erbschaftssteuer angerechnet werden (§ 21 ErbStG). Mit einigen Ländern bestehen zudem sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen, die der Vermeidung einer internationalen Doppelbesteuerung dienen. Wurde ein solches Abkommen erzielt, muss die Steuer entweder in dem Staat entrichtet werden, in dem das Erbe liegt – oder aber in dem Land, in welchem der Verstorbene zuletzt wohnhaft war.

Einforderung des Erbes

Liegt Vermögen im Ausland vor, sollten sich nicht nur Erben, sondern auch künftige Erblasser mit den für Deutschland und das jeweils andere Land geltenden erbschaftssteuerrechtlichen Bestimmungen auseinandersetzen. Nur so ist es möglich, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Aufgrund der komplexen Materie empfiehlt es sich jedoch, die Einforderung des Erbes mit einem Fachmann zu besprechen. Auf diese Art du Weise kann die Steuerlast auf ein Minimum reduziert werden.

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