Lebensversicherung

Lebensversicherungen gehören nach wie vor zu den beliebtesten Vorsorgeprodukten. Über 90 Millionen Policen soll es hierzulande geben – mehr als Menschen in Deutschland leben. Im Schnitt Lebensversicherungbesitzt also jeder Deutsche mindestens eine Lebensversicherung. Dabei ist das Produkt keineswegs unumstritten. Gerade in der anhaltenden Niedrigzinssituation wird die klassische Lebensversicherung zunehmend in Frage gestellt.

Risiko- und Kapital-Lebensversicherung

Der Grundgedanke der Lebensversicherung ist einfach. Sie soll das Todesfallrisiko des Versicherungsnehmers abdecken und Hinterbliebenen im Falle des Falles eine finanzielle Existenzgrundlage bieten. Stirbt der Vertragsinhaber während der Laufzeit, erhalten die im Vertrag genannten Begünstigten die vereinbarte Versicherungssumme ausgezahlt. Sie können sie dann zur Bestreitung des Lebensunterhaltes oder für Zahlungsverpflichtungen verwenden.

Beschränkt sich die Lebensversicherung ausschließlich auf die Todesfall-Absicherung, spricht man von einer Risiko-Lebensversicherung. Die Prämien dienen dann nur zur Abdeckung des Todesfallrisikos während der Vertragslaufzeit. Überlebt der Versicherungsnehmer seinen Vertrag, findet keine Zahlung statt. Anders verhält es sich bei der sogenannten Kapital-Lebensversicherung. Hier wird neben der Absicherung des Todesfallrisikos auch noch systematisch Kapital angespart. Wenn der Versicherungsnehmer das Vertragsende erlebt, erhält er das angesparte Kapital zuzüglich Ertragsanteilen ausgezahlt. Da die Versicherungsprämien hier einen Sparanteil enthalten, sind die Beiträge deutlich höher als bei der reinen Risiko-Lebensversicherung.

Lebensversicherung und Altersvorsorge

Die Kapital-Lebensversicherung wird bevorzugt als Instrument zur Altersvorsorge eingesetzt. Sie gilt als sehr solides Vorsorgeprodukt, da die Versicherungsunternehmen der BaFin-Aufsicht unterliegen und bei ihren Kapitalanlagen besonders auf Sicherheit achten müssen. Außerdem gilt für die Verträge üblicherweise eine Garantieverzinsung. Das heißt der Versicherungsnehmer erhält auf seine Sparbeiträge eine bestimmte Mindestverzinsung garantiert. Der Garantiezins wird amtlich festgelegt und liegt aktuell bei 1,25 Prozent. Erwirtschaftet das Versicherungsunternehmen darüber hinaus Überschüsse, erfolgt auch noch eine Überschussbeteiligung.

Kapital-Lebensversicherungen sind langfristige Verträge. In der Regel beträgt die Laufzeit mindestens zwölf Jahre. Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten “bis zur Rente” sind aber keineswegs unüblich. Die langfristige Kapitalbindung ist ein deutlicher Nachteil im Vergleich zu anderen Anlageformen. Zwar besteht die Möglichkeit, die Verträge vorzeitig zu kündigen oder zu verkaufen. Das ist jedoch meist mit Verlusten verbunden. Der Teil der Prämien, der für Provisionen und die Verwaltung geleistet wurde, geht dabei de facto unter. Der Abschluss einer Kapital-Lebensversicherung ist daher nicht zu empfehlen, wenn das angesparte Kapital vorher vielleicht auch noch für andere Zwecke benötigt wird.

Das Problem mit der Rendite

Die Sicherheit ist einerseits ein Vorteil der Kapital-Lebensversicherung, gleichzeitig aber auch ihre Crux. Denn aufgrund der Anlagerestriktionen können die Versicherer das Geld im wesentlichen nur verzinslich anlegen. Dadurch bleiben aber Ertragschancen – zum Beispiel durch Aktieninvestment – ungenutzt. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen sind die Renditen der Lebensversicherungen in den letzten Jahren immer geringer geworden. Manche Unternehmen sind daher mittlerweile dazu übergegangen, das Garantiezinsversprechen ganz aufzugeben und andere Produktvarianten – zum Beispiel fondsgebundende Lebensversicherungen – anzubieten, bei denen die Kapitalanlage in riskanteren, aber renditestärkeren Papieren erfolgen kann.

Wer heute eine “klassische” Kapital-Lebensversicherung abschließt, sollte sich daher darüber im Klaren sein, dass er unter Umständen auf lange Zeit eine niedrige Verzinsung “einkauft”. Eine Alternative hierzu kann der Abschluss einer Risiko-Lebensversicherung in Verbindung mit einem Sparplan – zum Beispiel einem Fondssparplan – sein. Hier besteht ein vergleichbarer Todesfallschutz bei gleichzeitig größerer Flexibilität der Anlagen.

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